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Die Presse, Wien
Steiermark. Der Feminismus bekommt Konkurrenz: Die "Steirische Initiative für Männer" will sich der veränderten Rollenbilder annehmen. Finanzielle Hilfe gewährt das - Frauenreferat.
Von unserem Korrespondenten ERNST SITTINGER
GRAZ. Es mag ein Zufall sein, daß die erste österreichische "Männerinitiative" ausgerechnet im Wirkungsgebiet der ersten Landeshauptfrau liegt. "Viele Männer fühlen sich durch den Feminismus bedroht und hegen Zweifel über ihre eigene Rolle", sagt Christof Roßbacher, der mit Matias Nairz die "Steirische Initiative für Männer" aus der Taufe gehoben hat. Nach gut einem Jahr Vorbereitungszeit wird der Verein im November mit den Grazer "Männerfilmtagen" sein erstes größeres Projekt abwickeln. Daß dieses Projekt ausgerechnet von der Grazer Frauenstadträtin subventioniert wird, beleuchtet die Zielrichtung, aber auch die Probleme der Männerinitiative. Roßbacher nennt zwar die "Männeremanzipation" als
Vereinsziel, sieht aber durchaus eine Deckungsgleichheit mit feministischen Forderungen: "Wir wollen von Männerseite her Schritte setzen, damit es zur Gleichstellung von Mann und Frau kommt." Es gehe nicht um eine "Entweder-Oder-Position", sondern um das Aufzeigen von Zusammenhängen.
Speziell in der Mittelschicht stünden heute die meisten Männer im Spannungsfeld zwischen "traditionellem" und "neuem" Rollenbild ihres Geschlechts. "Das Thema Männlichkeit als solches ist in der Öffentlichkeit nicht präsent", so Roßbacher. Ein konkreter Punkt ist die Väterkarenz, die vom praktizierenden Hausmann Nairz in Form einer Diplomarbeit wissenschaftlich beleuchtet wurde. Aus der strukturellen Bevorzugung des Mannes könnten individuelle Nachteile entstehen, etwa dann, wenn sich der Mann "zu Tode" arbeitet.
Roßbacher: "Das Männerbild baut stark auf Leistung auf. Weniger Leistung könnte aber auch Gewinn bringen, etwa mehr Zeit für die Kinder oder eine bessere Beziehung zur Frau." So habe er das Frauenvolksbegehren unterschrieben, es aber als Männer-Volksbegehren empfunden.
Von den Frauenorganisationen sei man "eigentlich sehr wohlwollend" aufgenommen worden, wenn es auch Mißverständnisse gebe. Kein Politiker fühle sich für Männer-Themen zuständig; "Am ehesten zählt man uns zum Sozialressort", so Roßbacher, der sich ein Referat für Geschlechterpolitik wünscht. "Es kann nicht sinnvoll sein, daß Mänerprojekte auf Dauer von Frauenreferaten bezahlt werden."
Last update: 26.07.1998/VeV