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Verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter
getrennt, geschieden:
wir befürworten für die Kinder eine gleichwertige Beziehung zu Vater und Mutter.
Vaterschaft unter erschwerten Umständen
bei Trennungen und Scheidungen.
Thesenpapier von Christoph Pally zum VeV Treffen vom 28.10.1997 in Zürich
- Die Beziehung zum Kind nach der Scheidung/Trennung hängt
wesentlich davon ab,
- wie die Beziehung des Vaters zum Kind war vor der Trennung
- wie die Verständigung der Eltern über die Weitergestaltung der
Elternschaft gelingt.
Die beiden Faktoren beeinflussen sich gegenseitig.
- Der Weg zum (kleinen) Kind führt über die Mutter. Wer die
Mutter übergeht und sich mit Abmachungen, Vorschlägen etc.
direkt an das Kind wendet, kann es in einen schweren
Lojalitätskonflikt bringen.
Das Kind entscheiden lassen, ob und wie lange es zum Vater gehen
will ist eine Überforderung und vergrössert seinen inneren
Zwiespalt. Gerade in Zeiten der äuseren Auflösung braucht das
Kind feste Orientierungen und Anhaltspunkte von seiner Mutter
und seinem Vater.
- Das Vertrauen wird während einer Trennung erheblich in
Mitleidenschaft gezogen. Eine Möglichkeit, einen Teil davon
wiederzugewinnen, besteht darin, Elternabmachungen einzugehen
und relativ stur auf deren Einhaltung zu achten. Dies kann eine
Basis bilden für spätere, meist notwendige, Anpassungen an neue
Bedürfnisse in veränderten Lebenslagen und mit dem älter
werdenden Kind.
- Das Verhalten der Kinder ist oft ein Spiegel der äusseren
Ereignisse. Sie reagieren auf die Erschütterungen, indem sie
selber zappelig und unruhig werden (Bsp. kurz vor und während
den Übergaben), wenn ihnen viel genommen wird reagieren sie
manchmal, indem sie selber (weg-)nehmen, wenn Eltern grosse
Aggressionen aufeinander hegen, indem sie selber einen
aggressiven Part übernehmen (beispielsweise die Eltern
gegeneinander ausspielen).
Wenn Kinder Schwierigkeiten machen ist es oft sinnvoll zu
fragen, mit welchem eigenen Verhalten man den Kindern
Schwierigkeiten bereitet.
- Kinder sind Beziehungsexperten. Sie spüren mehr und können
ihren Gefühlen besseren Ausdruck verleihen, als Erwachsene.
Gleichzeitig sind sie völlig hilflos und abhängig von
Erwachsenen, können z.B. den abwesenden Vater schlecht oder gar
nicht erreichen.
Kinder haben ein anderes Zeit- und Vorstellungsgefüge. Solange
der Vater da ist, ist man mit ihm verbunden. wenn er weg ist,
ist anderes wichtig,
Für die Scheidung suchen sich Kinder ihr eigenes
Erklärungsmuster und phantasieren sich oft in die Rolle der
Schuldigen hinein. ES ist wichtig, sie diesbezüglich zu
entlasten.
- Die Beziehung zum ehemaligen Partner lässt sich oft nur
schwer verändern und verkraften. Das ist aber auch nicht
notwendig, um die Elternschaft fortzuführen. Es kann entlastend
sein, den Streit nicht vor den Kindern auszutragen.
Das Kind ist der sichtbare Beweis der weitergehenden
Elternschaft, eine schnelle Lösung ist daher nicht möglich. Das
kann gemischte Gefühle auch dem Kind gegenüber auslösen.
Das Kind wird die Art, wie man die Expartnerin behandelt direkt
auf sich beziehen, Beziehungen sind unteilbar.
- Elternpartnerschaft bedeutet nicht, dass beide gleicher
Meinung sein sollten. Das ist nicht nur bei getrennten Eltern
völlig unmöglich. Eine Meinungseinheit ist auch nicht
wünschenswert, da das Kind lernen muss, die Welt (und sich
selber) als eine Reihe von Verschiedenheiten zu begreifen, die
aber in sinnvollen Bezügen- zueinander stehen. Damit diese Bezüge
in der Verschiedenheit entstehen können brauchen Kinder, dass
die Meinung des Partners respektiert wird. Sonst behindert das
ihre zweifache Orientierung zu Mutter und Vater zugleich
- Kinder brauchen nicht feste Prinzipien oder ein
einheitliches Weltbild, die suchen Echtheit und Greifbarkeit
dessen,- was man ihnen sagt und, vielleicht noch wichtiger, was
man als Vater lebt. Die Kinder orientieren sich dabei manchmal
weniger am Gesagten als am Gespürten. Sie Anteil haben lassen an
unserer Freude aber auch an unseren schwierigen Seiten der
Trauer oder Wut kann sie uns näher bringen, ohne dass wir sie
deswegen zu Ersatzpartnern machen.
Literatur:
- Balscheit, P. et.al.(1987). Wir trennen uns, was tun wir für unsere Kinder?,
Zürich: Pro Juventute.
- Herzka, H.S (1989). Die neue Kindheit. Dialogische Entwicklung -
autoritätskritische Erziehung. BaSel: Schwabe.
- Pally, C. (1997). Annäherungen an Identität. Beschreibung des
Spannungsfeldes zwischen der Innenwelt und der Aussenwelt mit Hilfe
des dialogischen Konzeptes. Zürich- Selbstverlag.
- Rohnstock, K (Hg., 1997). Sag mir wie die Väter sind. Berlin: Elefanten Press.
Anschrift des Verfassers:
Christoph Pally, Sonneggsteig 7, CH-8006 Zürich.
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Last update: 05.05.2000/VeV