|
|
|
Mitglied von
|
Verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter
getrennt, geschieden:
wir befürworten für die Kinder eine gleichwertige Beziehung zu Vater und Mutter.
Eltern sind Menschen, keine Gottheiten
Thomas Gordon
Rezension von
Lisa Zolliker, Sept.1997
In den vereinigten Staaten hat Thomas Gordon eine "Elternschule" errichtet.
Er wollte etwas tun, um die Eltern in der Kindererziehung zu unterstützen und
erfolgreicher werden zu lassen. ( Bis anhin wurden die Eltern nur kritisiert und
beschuldigt, aber nicht geschult.)
Über 300 Lehrer hat Gordon für seine Elternschule ausgebildet.
Was er den Eltern gesagt und was er mit ihnen geübt hat, steht in diesem Buch.
Eltern sind Menschen, keine Gottheiten.
Annahme-Diagramm
Alle Eltern sind Menschen, die von Zeit zu Zeit verschiedene Arten von
Empfindungen gegenüber ihren Kindern haben werden:
Annahme und Nicht-Annahme
Alle möglichen
Verhaltensweisen des Kindes
|
| ->
|
Bereich der Annahme
| Bereich der Nicht-Annahme
|
|
Wie sehr annehmend Eltern gegenüber dem Verhalten ihrer Kinder sind,
ist unterschiedlich.
Bereich der Annahme
|
| Bereich der Nicht-Annahme
|
| oder
|
|
Bereich der Annahme
|
Bereich der Nicht-Annahme
|
|
Der Bereich der Annahme wird aber auch vom Kind mitbestimmt. Manchen
Kindern gegenüber ist es schwerer Annahme zu empfinden.
Ob sich ein Kind als Persönlichkeit angenommen fühlt oder nicht, wird daher
auch davon abhängen, wieviel in seinem Verhalten annehmbar ist.
Eltern, die vieles, was ihre Kinder sagen oder tun, nicht annehmbar finden,
werden in ihren Kindern unvermeidlich die tiefe Überzeugung nähren, dass sie
als Persönlichkeit nicht annehmbar sind.
Man sollte dem Kind aber auch nicht vorgeben, dass es einem annehmbar sei,
wenn es dies gar nicht ist. Kinder spüren nämlich auch die "wortlosen
Botschaften", und können sich dadurch sehr verunsichert fühlen.
- Eltern sollen ihre wahren Empfindungen nicht verbergen.
Auch braucht man sich nicht als schuldig zu fühlen, wenn man nicht gegenüber
jedem Kind gleich viel Annahme empfindet.
Auch bei Ehepartnern kann die Annahmegrenze gegenüber den Kindern variieren.
-+> Eltern sind Menschen
Wie man zuhört, damit Kinder mit einem sprechen werden.
Die Sprache der Annahme - aktives Zuhören
Vielen Eltern fehlt es an der Erkenntnis, wie oft sie ihren Kindern nur durch
Einmischen, stören, Eindringen und Kontrollieren, usw. Nicht-Annahme zu
verstehen geben.
Wie die Eltern mit ihren Kindern sprechen ist entscheidend.
Wenn ein Kind beschliesst, mit seinen Eltern zu sprechen, tut es das, weil es
ein Bedürfnis hat.
Es möchte etwas, es fühlt Unbehagen, hat eine Empfindung
gegenüber etwas, jemandem...
Eltern reagieren verschieden darauf:
Sie urteilen, kritisieren, loben, predigen, ermahnen, beschwichtigen, belehren,
beraten, analysieren, forschen, beruhigen...
-
Jede Botschaft sagt dem Kind auch darüber etwas, was man von ihm denkt.
Es ist aber die Kunst, das Gesagte des Kindes ohne Einmischung oder
Bewertung von unserer Seite her anzuhören.
Aussagen von Kindern, denen es "verleidet" ist, mit ihren Eltern über
persönliche Dinge zu sprechen:
- "Sie geben mir das Gefühl, schuldig oder schlecht zu sei."
- "Sie behandeln mich wie ein kleines Kind."
- "Sie geben mir das Gefühl, dass ich sie unterbrochen habe"
- "Sie geben mir das Gefühl, dass meine Empfindungen nicht gerechtfertigt sind."
- "Sie veranlassen mich, zu streiten, zum Gegenangriff über zu gehen."
Aktives Zuhören ist eine neue Art des Zuhörens, die den Eltern empfohlen wird.
Wie funktioniert Aktives-Zuhören?
Beim aktiven Zuhören versuchen die Eltern zu verstehen, was das Kind
empfindet oder was seine Botschaft aussagt.
Darauf formuliert der Eiternteil sein Verständnis mit eigenen Worten
und meldet es so dem Kind als Bestätigung zurück.
Die Eltern als Empfänger senden keine eigene Botschaften
z.B. ein Urteil, eine Meinung, einen Rat, ein Argument, eine Analyse oder eine
Frage. Sie melden nur das zurück, was nach ihrem Gefühl die Botschaft des
Kindes bedeutet.; nicht mehr und nicht weniger.
Beispiele:
| 1. Kind weinend:
| Klaus hat mir mein Lastauto weggenommen.
|
| Elternteil:
| Darüber ärgerst du dich sicher, du magst nicht, wenn er das macht.
|
| Kind:
| stimmt.
|
| 2. Kind:
| Mensch habe ich dieses Jahr eine schlechte Lehrerin. Ich mag sie
nicht. Sie ist eine Miesepeter.
|
| Eiternteil:
| Das klingt als ob du richtig enttäuscht von deiner Lehrerin bist.
|
| Kind:
| Das bin ich auch wirklich!
|
| 3. Kind:
| Vater, was hat dir an Mädchen gefallen, als du ein Junge warst?
Woran lag es, wenn du ein Mädchen richtig gern mochtest?
|
| Elternteil:
| Das hört sich so an, als dächtest du darüber nach, was du an dir
haben musst, damit dich die Jungen mögen, Stimmts?
|
| Kind:
| Ja, es scheint, als ob sie mich aus irgend einem Grund nicht
mögen, und ich weiss nicht warum.
|
- Aktives Zuhören hilft den Kindern, genau festzustellen, was sie
empfinden.
- Ist dies einmal ausgedrückt, so scheinen die (unangenehmen)
Empfindungen wie durch ein Wunder zu verschwinden.
- Aktives Zuhören hilft den Kindern , sich vor negativenempfindungen
weniger zu fürchten (Sie werden dafür nicht bewertet).
- Aktives Zuhören fördert - nebenbei - eine herzliche Beziehung zwischen
Eltern und Kind ( Man wird angehört und verstanden ).
- Aktives Zuhören überlässt dem Kind den Ball. Es regt das Kind an, selbst
nachzudenken und eine Lösung zu finden.
Was man als Eltern beachten sollte:
- Aktives Zuhören ist am angebrachtesten, wenn das Kind zu erkennen
gibt, dass es ein Problem hat (Nicht wenn die Eltern ein Problem haben).
- Man muss hören wollen, was das Kind zu sagen hat, und man muss sich
Zeit nehmen.
- Man muss imstande sein, die Empfinduncien des Kindes anzunehmen,
gleichgültig um was es sich handeln mag, oder wie sehr sich seine
Empfindungen von den eigenen Empfindungen unterscheiden.
- Man muss Vertrauen haben in die Fähigkeit des Kindes, selbst Lösungen
zu finden.
- Der Erwachsene drückt die Empfindungen des Kindes, so wie er sie
verstanden hat, nochmals aus. Dies soll aber kein monotones
Nachplappern sein.
Wie man mit den Kindern sprechen muss, damit sie einem zuhören:
Ich-Botschaften
Wenn das Kind das Problem hat, ist aktives Zuhören angesagt. Was ist nun
aber, wenn der Elternteil das Problem besitzt, z.B. von dem Verhalten des
Kindes gestört oder beunruhigt ist?
Variante 1 ( sehr verbreitet ): "Du-Botschaften"
Beispiele:
- "Du benimmst dich wie ein Baby."
- "Du bist sehr ungezogen."
- "Du machst immer alles kaputt."
- "Artige Kinder tun das nicht."
- "Du willst nur Aufmerksamkeit erregen."
- "Du willst immer da spielen, wo ich arbeite."
Du-Botschaften betonen die Unzulänglichkeit des Kindes, fällen ein
Urteil über seine Persönlichkeit. Sie geben dem Kind die Schuld. Dies löst
abwehr aus oder es provoziert das Kind.
Variante 2 ( empfohlen ) "Ich-Botschaften"
Beispiele:
- "Ich habe keine Lust zu spielen, wenn ich müde bin."
- "Ich kann nicht kochen, wenn ich über Töpfe und Pfannen steigen muss."
- "Ich sorge mich, wenn du nicht anrufst, falls du später kommst."
Gegenüberstellung der Wirkung von "Ich-Botschaft" und "Du-Botschaft":
| Beispiel:
| Der Elternteil ist müde und mag nicht mit dem Kind spielen:
|
Variante 1
(Du-Botschaft)
| Elternteil müde
| "Du bist eine Plage"
| -> Kind "ich bin ungezogen"
|
Variante 2
(Ich-Botschaft)
| Elternteil müde
| "Ich bin müde"
| -> Kind 'Vater ist müde"
|
Die erste Botschaft wird als Bewertung seiner selbst entschlüsselt, die zweite
wird als Feststellung einer Tatsache in bezug auf den Vater entschlüsselt.
Ich-Botschaften brauchen auch Mut, denn man sagt dem andern, dass
man ein Mensch ist, fähig verletzt zu sein, in Verlegenheit zu kommen,
geängstigt, enttäuscht, wütend oder entmutigt usw. zu sein.
Häufig berichten Eltern in den Kursen, dass ihre Kinder Überraschung zeigen,
wenn sie hören, wie ihre Eltern empfinden. Sie sagen zu ihren Eltern:
- "Ich wusste gar nicht, dass dich das so ärgerte".
- "Es liegt dir wirklich sehr viel daran, nicht wahr?"
Gedankenlosigkeit verwandelt sich nicht selten in Aufmerksamkeit, wenn
ein Kind die Wirkung seines Verhaltens auf andere erst einmal versteht. Auch
sind "ich-Botschaften" viel weniger geeignet beim andern Widerstand und
Rebellion zu provozieren.
Unvermeidliche Eltern-Kind-Konflikte: Wer soll siegen?
- Niederlage-lose-Methode -
Konflikte werden oft zum Machtkampf zwischen Eltern und Kindern. Entweder
sind die Eltern streng und siegen, oder sie sind nachgiebig, und es siegt das Kind.
- "Sieg - Niederlage" - Orientierung.
Macht beeinflusst aber nicht in dem Sinne, dass sie das Kind bewegt, überzeugt
oder motiviert, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Durch Macht wird ein
Verhalten vielmehr erzwungen oder verhindert.
Das Kind kehrt meistens zu seiner früheren Verhaltensweise
zurück, sobald die Autorität oder Macht aus dem Weg ist, denn seine eigenen
Bedürfnisse und Wünsche bleiben unverändert.
Macht löst bei den Kindern aus:
- Widerstand, Trotz, Rebellion
- Lügen, Verbergen von Empfindungen
- Andere beschuldigen, schwindeln
- Einschmeicheln, um Gunst buhlen
- Rückzug, Flucht in Fantasien
Die umgekehrte Version, nämlich, dass die Eltern nach der
Pfeife der Kinder tanzen, scheint auch nicht erstrebenswerter zu sein. Hierbei ist
der Elternteil der leidtragende.
Darum wird hier die "Niederlage-lose" Methode vorgeschlagen.
Konflikte werden bewältigt ohne, dass jemand siegt oder unterliegt.
Wie funktioniert die Niederlage-lose Methode?
1. Der Konflikt wird von allen Beteiligten offen dargelegt.
Man sendet dabei "Ich-Botschaften".
Z.B. : "ich empfinde es mir gegenüber als ungerecht, wenn ich soviel Arbeit im
Haus tun muss, und ihr Kinder könntet mir dabei helfen."
Dadurch vermeidet man Botschaften, die das Kind herabsetzen oder beschuldigen.
2.Lösungen finden
Man macht sich auf die Suche nach einer für beide Seiten annehmbaren Lösung,
mit der alle leben können, bei der keiner unterliegt und beider Bedürfnisse
befriedigt werden.
- Dem Kind zuerst die Möglichkeit geben, seine Vorschläge zu machen.
- Keine der vorgeschlagenen Lösungen bewerten, beurteilen oder
herabsetzen.
3.Sich für die beste Lösung entscheiden
-
"Nun wollen wir mal sehen, welche Lösung uns am besten passt".
Hat man sich dann gemeinsam entschieden:
- "Also gut, lasst uns die Lösung ausprobieren und sehen, ob sie
funktioniert".
4. Entscheidung ausführen
"Wer soll bis wann was tun?"
Genaue Regeln und Ziele abmachen.
5. Nachfolgende kritische Bewertung
Nicht alle ursprünglichen, aus der Niederlage-lose Methode hervorgehenden
Entscheidungen stellen sich als gut heraus.
Rückfragen:
- "Wie funktioniert unsere Entscheidung?"
- "Bist du mit unserer Entscheidung zufrieden?"
Beispiel eines Kursteilnehmers mit seiner vier-jährigen Tochter: - S. 193
- Diese Methode zeigt ein hohes Mass an Motivation seitens des Kindes, den
Beschluss auszuführen. - Ein Mensch ist eher motiviert, eine Entscheidung
in die Tat umzusetzen, an deren Entstehung er beteiligt war, als eine
Entscheidung, die ihm von andern aufgezwungen wurde.
- Gib den Kindern zu verstehen, dass ihre Bedürfnisse auch wichtig sind und,
dass man den Kindern zutrauen kann, als Gegenleistung Rücksicht auf die
elterlichen Bedürfnisse zu nehmen.
- Es gibt keine verbitterten Verlierer.
- Die Kinder fühlen sich ernst genommen.
Zubeachten:
- Eltern sollen zeigen, dass es ihnen wirklich ernst ist, eine Lösung zu finden,
die das Kind akzeptieren kann.
- Die Eltern sollen keine geschlossene Front bilden.
Gordon sieht das Kind als gleichwertigen Menschen, der fähig ist, seine
Wünsche und Lösungen (bei Konflikten) beizusteuern.
- Das Kind muss nicht unter uns stehen sondern neben uns. Gegenseitige
Akzeptanz und Achtung kann so wachsen.
Home |
Neues |
Ziele |
Adressen |
Angebot |
Einsatz |
Recht |
Literatur |
Berichte |
Mitglieder |
Hotlist |
VeV@vev.ch
Last update: 05.05.2000/VeV