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Verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter

getrennt, geschieden:
wir befürworten für die Kinder eine gleichwertige Beziehung zu Vater und Mutter.
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B. Hasler, Zürich, T. 01/ 363 19 78

Getrennte Eltern bleiben Eltern,
- die Mütter, aber auch die Väter -

Referat vom Montag 20.1.97 vom Verein Verantwortungsvoll erziehende Väter - VeV

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Liebe Mütter,
Liebe Väter,

Gedanken von Khalil Gibran (arabischer Schriftsteller) begleiten mich während meinen Ausführungen:

"Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Es sind die Söhne und Töchter von des Lebens Verlangen nach sich selber. Sie kommen durch euch, doch nicht von euch; Und sind sie auch bei euch, so gehören sie euch doch nicht."

Zum heutigen Thema "Getrennte Eltern bleiben Eltern - die Mütter aber auch die Väter " -, möchte ich Ihnen eine Inhaltsübersicht geben:

  1. Meine persönliche Geschichte
  2. Wie erleben Kinder eine Trennung oder Scheidung?
  3. Konfliktlösungsmodelle für das Beibehalten einer getrennten Elternschaft.
  4. Literaturliste zum Vortrag

1. Meine persönliche Geschichte

Ich war Hochbauzeichner, absolvierte die Matur auf dem 2. Bildungsweg, wurde Oberstufenlehrer, später Heilpädagoge, arbeitete 6 Jahre in der kinder-und jugendpsychiatrischen Tagesklinik bei Prof. Dr. med H.S.Herzka und führte jahrelang Kleinklassen für verhaltensauffällige Kinder. Nach jahrelanger Beziehung gebar meine ehemalige Frau ein Mädchen. Beide freuten sich riesig darauf. Ich reduzierte meine Arbeit auf 50°/o, wurde Teilzeithausmann und Vater. Doch daran scheiterte unsere Beziehung. Ich trat als Teilzeithausmann und Vater in eine Frauendomäne, was viele Streitereien und Auseinandersetzungen brachte und schlussendlich zur Scheidung führte.

Leider wählte meine Frau den juristisch-gerichtlichen und nicht den mediativen Weg, wo wir als getrennte Eltern eine Lösung gesucht hätten. Unsere Leben wurden fremdbestimmt. Das Bezirksgericht entschied, dass unser gemeinsames Kind während der Scheidungsdauer bei mir leben soll. Doch das Obergericht vom Kanton Zürich beschloss nach einem Jahr eine Zuteilung des Kindes an die Mutter mit der Begründung, dass es in der Schweiz noch nie ein Bundesgerichtsentscheid gab, wo ein Kleinkind beim Vater lebte. Seitdem sehe ich meine Tochter nur noch an den gerichtlich-vorgeschriebenen 2 Wochenenden im Monat und während 4 Wochen Ferien im Jahr. Meine Tochter rebellierte, schrie jeweils "Ich möchti länger bim Papi blibe!" Doch niemand wollte den Schrei meiner Tochter hören. Ich wurde nur noch Zahlvater und zum abwesenden Vater gezwungen.

2. Wie erleben die Kinder die Trennung oder Scheidung?

Kürzlich malte meine Tochter als Einladung in den Kindergarten für ihren Vater und Mutter das gleiche Bild. Sie wollte unbdedingt, dass beide Elternteile dem Elternmorgen beiwohnten. Bild: ( Folie ) "Zwei Menschen, ihre Mutter und ihr Vater stehen auf einer dünnen, zerbrechlichen Brücke. Sie reden, tanzen oder streiten mit den Händen. Falls die Brücke einstürzt, würden wir in die hohen Wellen fallen und vielleicht ertrinken." Kinder drücken ihre Gefühle, ihre Aengste, Verunsicherungen, ihr Wohl-oder Unwohlsein oft in Bildern, Gestiksprache oder Mimik aus. Doch nehmen wir Eltern, Väter und Mütter, Richter oder Anwälte, Lehrer und oder Lehrerinnen Kinder mit ihren emotionalen Ausdrücken ernst? Nehmen wir uns in der Hektik Zeit solche Bilder zu betrachten oder gehen wir schnell darüber hinweg?

Diese Zeichnung machte mich betroffen und ich nahm mir deshalb Zeit das Bild genauer und intensiver zu betrachten.
Ich glaube, dass unser Kind mich und meine ehemalige Frau auffordert, den Streit aufzuhören, die Elternkommunikation zu verbessern, damit die Brücke zwischen den beiden Elternteilen stärker, begehbarer und gefestigter wird, worüber unser Kind ungehindert hin und her gehen kann, ohne Angst zu haben hinunterzufallen und in den hohen Wellen zu ertrinken. Sie fordert uns heraus, an der Festigung der Brücke zu arbeiten und nicht Energie für die Zerstörung zu gebrauchen. Ich glaube auch eine Angst des Kindes zu verspüren, dass ein Elternteil oder meine Tochter selber in den Wogen ertrinken könnte.
Ich bin froh, dass meine Tochter ihre Angst und Unsicherheit so ausdrücken kann. Ich nehme sie ernst und kann davon etwas lernen.
Max Peter formulierte es so:
"Kinder kommen mir im Zusammenhang mit Besuchsrechtsfragen manchmal vor, wie Zirkusartisten: sie balancieren zwischen zwei Lagern hin und her und vollziehen diesen sich stets wiederholenden Balanceakt auf dem hohen Seil, alleingelassen, ohne Auffangnetz. Anstatt sich am einen Ende des Seils auszuruhen und für den Gang zurück neue Kräfte sammeln zu können, werden Kinder "Verhören" unterzogen und müssen es leugnen, sich auch am andern Ende des Seils wohlzufühlen. Sie müssen es leugnen, Aengste und Verunsicherung zeigen zu dürfen."
Ich denke, dass dieses Bild von Max Peter für viele Scheidungskinder stimmt. Diesen Kindern wird eine ungeheuerliche Leistung zugemutet, wobei sie viel Angst und Unsicherheiten nicht aufgefangen zu werden, aushalten müssen.Es ist nicht verwunderlich wenn Kinder nach einem solchen Balanceakt von einem Elternteil zum andern, müde, gereizt, aufgdreht oder agressiv sind.

Streitereien, unschöne Auseindersetzungen oder Befangeheit der Eltern vor oder nach der Trennung lösen bei Kindern oft Aengste, Schuldgefühle, Verunsicherungen oder Liebesentzug aus. Eine Trennung oder Scheidung der Eltern kann für das Kind vorübergehend eine Entspannung, sowie Beruhigung bringen. Doch eine Trennung der Eltern wirkt prägend und einschneidend in das Leben eines Kindes und je nachdem wie die Eltern, Vormundschaftsbehörde, Gerichte oder Beratungen mit den Konflikten in der getrennten Situationen umgehen, kann dies für das Kind belastend oder entlastend, vielleicht sogar bereichernd wirken.

belastend kann wirken:
  • den Streit nach der Trennung fortsetzen.(Kampfscheidung)
  • schlechte Elternkommunikation. ( Sprachlosigkeit, Eltern sprechen nicht mehr miteinander!) Streit in Anwesenheit des Kindes, vor und nach der Trennung.
  • Rachegefühle,Verletztheit über das Kind austragen. (oft unbewusst)
  • Vaterabstinenz kann bei Kindern Verlust-oder Trennungsängste hervorrufen.
  • während den Uebergaben das Seil oder die Brücke nicht verbreitern, nicht verstärken und keine Auffangnetze errichten. Das Kind fühlt sich alleingelassen, im Stich gelassen.
  • den nur gerichtlichen Scheidungsweg, mit gegenseitigen Schuldzuweisungen benutzen (Anwälte verdienen damit!) - Machtspiele der Eltern auf dem Rücken des Kindes austragen, wie z.B. Drohungen mit Vaterverbot, Telefonverbote, Besuchsrechts- verweigerungen etc.
  • in Streitereien Gewalt anwenden.
  • seelische Gewalt an Kindern ausüben. Aufhetzen des Kindes gegen Vater oder Mutter. (Dies passiert schneller als man denkt.)
entlastend kann wirken:
  • die Kinder mit ihren Aengsten, Befürchtungen und Verunsicherungen nicht allein lassen, sie ernst nehmen,sich für sie Zeit nehmen, sie in ihrem Ausdruck respektieren.
  • Brücke verstärken, indem die Erwachsenen die Paar von der Elternbeziehung trennen lernen, und die Elternkommunikation zugunsten des Kindes stets verbessern.
  • den mediativen Scheidungsweg benutzen, wo mit Hilfe Dritter Konflikte bewältigt werden können.
  • Auffangnetze für das balancierende Kind errichten, wie zum Beispiel Uebergaben an neutralen Orten, wenn nötig genügend Therapieangebote für Kinder.
  • den Respekt gegenüber dem Kind und dem anderen Elternteil immer bewahren.
  • Pflegefamilie in Kampfscheidung, um Kind vor Spannungen schützen.

Zu glauben, dass ein Scheidungskind das Hin und Her zwischen Vater und Mutter besser ertragen würde, wenn der Kontakt zum nichtsorgeberechtigten Elternteil, meistens zu den Vätern, auf ein Minimum beschränkt bleibt oder sogar völlig wegfällt, ist ein absoluter Trugschluss. Vormundschaftsbehörde, Richter oder sorgeberechtigter Elternteile, die so handeln, zum Beispiel, den Vaterkontakt für einige Stunden im Monat gewähren, nehmen die elementarsten, grundlegensten Bedürfnisse des Kindes nicht ernst, respektieren das Bedürfnis des Kindes nach uneingeschränkten Beziehung zu beiden Elternteilen nicht, und handeln verantwortungslos. Klar, es gibt Ausnahmen, wo ein Kind vor einem gewalttätigen Vater- oder Mutter, vor sexuellen Uebergriffen geschützt weden muss. Doch dies sollte die Ausnahme bleiben und die Stundenväter, Wochenendväter oder Abstinenzväter nicht zur Regel werden lassen.

Um wieder zu den beiden Bildern zu Beginn meiner Ausführungen zurückzukommen, wo die beiden Elternteile auf einer schwachen, nicht tragfähigen Brücke streiten, würde man den Vater von der Brücke werfen, ihm die Verantwortung an der Erziehung und Begleitung des Kindes wegnehmen, ihn als unwichtige, kaum existierende Person definieren und ihn zum abwesenden Vater machen, so würde dem Kind eine der wichtigsten Personen weggenommen, was für seine Entwicklung negativ auswirken könnte! Der Vater tritt in den Hintergrund. Oft dürfen Väter nicht mal etwas über die schulischen Entwicklung ihrer eigenen Kinder erfahren. Lakonisch heisst es jeweils von Lehrer/innen oder Schulbehörde: "Ich darf ihnen keine Auskunft geben, weil sie die elterliche Gewalt nicht besitzen!" Oder bei Besuchsrechtsstreitigkeiten heisst es leider noch viel zu oft von Vormundschaftsbehörden: " Verzichten sie doch freiwillig auf das Besuchsrecht." Mit einer solchen Haltung nimmt man dem Kind einen Teil des Fundamentes weg, worauf es sein Leben aufbauen kann. Leider gibt es noch viel zu viele Männer und Väter, die kaum an der Begleitung ihrer Kinder teilhaben wollen, die Erziehung an die Frau abgeben, und nur Beruf und Karriere als ihr Lebensziel betrachten. Eine einzige oder alleinerziehende Person kann nicht gleichzeitig Vater und Mutter verkörpern. Dies hat nichts mit der Weiblichkeit und Männlichkeit, welche beide in jedem menschlichen Körper wohnt, zu tun, sondern vielmehr mit der Verschiedenartikeit, wie Mutter und Vater mit dem Leben umgehen. Kinder können kopieren, kritisieren, beobachten, übernehmen, ablehnen, und neue Lebenswege gehen.

Mexikanische Indianer betrachten und verehren die Erde als die Mutter, die Sonne als den Vater für das Leben. Die Mutter-Erde welche neues Leben hervorbringt, der Sonnen-Vater,der für das neue Leben, Wärme und Energie spendet. Das natürliche Leben braucht beides, die Mutter-Erde und der Sonnen-Vater.(der bewirkt, dass es Jahreszeiten, sowie Regen gibt.) Das Leben kann nicht existieren, wenn entweder Mutter-Erde oder Vater-Sonne fehlt. Diese indianische Grundwahrheite können wir auf unsere Kinder, Mütter, Väter und auf die Pflege,Erhaltung und Respektierung des Lebens übertragen

Wir alle, Mütter,Väter, Kinder, sie und ich sind Teil der Natur und gebühren Respekt. Doch davon (Respekt)fehlt es uns oft während den Streitereien, und Auseindersetzungen. Unsere Gesellschaft ist auf Besitz ausgerichtet. Wir wollen die Natur beherrschen, sie als unser Eigentum machen, sie besitzen, und nur von ihr profitieren, ohne sie in ihrer Vielfältigkeit und Eigenartigkeit zu respektieren. Dabei zerstörern wir die Mutter -Erde, sowie den Sonnen -Vater und besonders auch neues Leben. Hören, verstehen wir die Natur, oder nehmen wir uns Zeit für die sehr feine und sensible Sprache der Natur in uns selber, und ausserhalb von uns? Ich glaube von diesen Indianern könnten wir viel lernen, wie wir mit den Beziehungen zu uns, zu den Menschen und zur Natur umgehen könnten. Mit dieser indianischen Wahrheit, will ich aufzeigen,dass unsere Kinder,die das zukünftige Leben sind, ein natürliches Anrecht haben für eine gesunde, körperliche, geistige und seelische Entwicklung. Und deshalb eine gleichwertige Beziehung zu ihren Vätern und zu ihren Müttern brauchen.

Mit diesem Grundsatz in Scheidungs -oder Trennungssituationen respektvoll umzugehen ist eine grosse Herausforderung der Eltern und sicher nicht einfach. Es gibt aber reale Lösungsmöglichkeiten, wenn die Eltern bereit sind ihre Paarbeziehung, wo in Trennung viele Verletzungen, Trauer, Wut etc.beinhalten, von der Elternbeziehung zu trennen. Die Kinder fordern die Eltern heraus, und wollen die Beziehung zu ihrer geliebten Mutter und geliebten Vater auch nach der Trennung weiterpflegen dürfen, ihre Eltern nahe bei sich haben, wenn möglich sie wieder in eine Familie vereinigen.
Leider werden viele Machtspiele der Eltern bewusst oder unbewusst auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, wie zum Beispiel Telefonverbote an den nichtsorgeberechtigten Elternteil, Vaterverbote, oder Besuchsrechtsverweigerungen,Abwertung des anderen Elternteiles, oder Streit in Anwesenheit der Kinder. Ich könnte viele Beispiele von Machtspielen aufzeigen,die direkt oder indirekt auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.Oft betrifft dies das Besuchsrecht:

Beispiel 1:
Ein Vater will seine Kinder für das Wochenende abholen. Niemand öffnet die Wohnungstür. Nach langem Warten muss der Vater ohne Kinder wieder gehen. Später heisst es:" Wir haben das Wochenende verplant und sind verreist."

Beispiel 2:
Einem Vater wurde ein begleitetes Besuchsrecht mit einer Begleitperson eingeräumt. Nach einigen Monaten erhielt er vom Sozialdienst einen Brief, worin gefordert wird, dass er zukünftig, wenn er seine Kinder sehen möchte, jeweils 14 Tage im voraus Fr. 100.- zahlen müsse. Falls er dieser 14 - tägigen Vorauszahlung nicht nachkommt, müsse er auf seine Kinder verzichten. Dieses Beispiel zeigt, dass die Kinder als Mittel für eine Erpressung missbraucht werden.

Beispiel 3:
Ein Vater möchte seine Kinder bereits morgens um 9.00 Uhr abholen, statt wie gewohnt um 11.00 Uhr, weil er mit seinen Kindern auf eine Wanderung wollte. Die Beiständin der Kinder verweigerte ihm in einem hässigen Ton die zusätzlichen 2 Stunden mit folgendem Satz: "Haben Sie das Gefühl, ich bewillige ihnen das."

Diese drei extremen Beispiele zeigen auf, wie mit der elterlichen Gewalt, (so die rechtsgültige Bezeichnung für das Sorgerecht,) manchmal umgegegangen wird, wie die Kinder als Machtmittel missbraucht werden. Ich hoffe, dass solche Fälle die Ausnahme sind, wo der Inhaber der elterlichen Gewalt Vater-oder Mutter glaubt ein Recht zu haben, seine Kinder zu besitzen,über sie zu verfügen, ohne nach ihrer Meinung zu fragen, oder ihre Bedürfnisse zu erspüren. Viel häufiger aber, geschehen kleinere von aussen kaum wahrnehmbare Machtspiele, welche auf die Kinder weit grössere Wirkung zeigen, als dies die Erwachsenen annehmen wollen.
Die alleinige elterliche Gewalt bewirkt, dass es Rechtlose und Privilegierte, dass es Mächtige und Ohnmächtige, dass Gewinner und Verlierer gibt.Oft müssen Kinder in einem solchen psycho-sozialen Spannungsfeld leben, wo es weiterhin einen mächtigen und ohnmächtigen Elternteil gibt und dies auch wissen, wie auszuspielen.
Somit bleiben die Kinder die Ohnmächtigen und Verlierer,sind alleingelassen und müssen weiterhin gefährlich auf dem Seil balancieren. Mit solchen Machtspielen, mit der lebendigen Vaterabstinenz ist das Auffangnetz für das balancierende Kind noch nicht geschaffen oder die Brücke verstärkt worauf das Kind ungehindert und angstfrei hin und her gehen kann. Oft verkommen die Väter zu Onkel, Kinder werden zu Halbwaisen gemacht,und die Entfremdung des Kindes zum leiblichen Vater ist vorprogrammiert. Gefühle der Ohnmacht des Verlustes, der Wut und der Aggression machen sich breit beim Kind, sowie beim nichtsorgeberechtigten Elternteil.

Amerikanische Langzeitstudien von Judith Wallerstein (Scheidungsspezialistin) erschrecken und müssten uns aufrütteln: Sie zieht folgende Schlüsse

  1. "Fast zwei Drittel aller Vergewaltiger,drei Viertel der jugendlichen Mörder und ein hoher Prozentsatz junger Gefängnisinsassen sind ohne Vater gross geworden."
  2. "Ueber ein Drittel der Kinder aus Ein -Eltern -Familien leidet danach unter schweren psychischen Störungen."
  3. "Wallersteins Studie -1971 begonnen und noch nicht abgeschlossen -zeigt, dass gravierende Schwierigkeiten oft bis ins Erwachsenenalter anhalten. Nach fünf Jahren erlebte ein Drittel der Kinder mittlere bis schwere Depressionen. Nach zehn Jahren litt eine bedeutende Zahl der nunmehr jungen Männer und Frauen an Antriebsschwäche,Verstöhrung und Leistungsdefiziten. Auch nach 15 Jahren zeigten sich Langzeitschäden: Viele Scheidungskinder schaffen es nicht,dauerhafte Beziehungen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten:"
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der deutsche Vaterforscher Prof.Wassilios E.Fthenakis: bei einer lebendigen Vaterlosigkeit.
  1. Erhöhtes Risiko psychischer Erkrankungen bei Kindern u. Jungendlichen.
  2. Erhöhtes Selbstmordrisiko bei jungen Erwachsenen.
  3. deliquentes Verhalten.
  4. Probleme bei der Gestaltung von Partnerschaft und Ehe im Erwachsenenalter.

Mit diesen beiden Studien möchte ich zum Nachdenken und besonders zum Umdenken anregen. Wir alle, Eltern, Gerichte, Behörde sowie Anwälte und Anwältinnen müssen für eine positive, konstruktive Entwicklung des Kindes umdenken. Wir müssen wegkommen von der elterlicher Gewalt, wo Macht über das Kind ausgespielt werden kann. Wir müssen die getrennte Elternschaft mit vermehrten Respekt begegnen. In Scheidungen darf es weder Verlierer noch Gewinner, weder Mächtige noch Ohnmächtige mehr geben.
Nur mit gemeinsamer Elternverantwortung können wir das Kind auf seinem Lebensweg begleiten, ohne Besitzanspruch auf das Kind und ohne Machtausübung. Auch die Gesetze müssten so verändert werden, worin die gemeinsame Elternverantwortung nach einer Trennung oder Scheidung respektiert würde. Leider gibt es in der Schweiz nur sehr wenige Richter die das gemeinsame Sorgerecht aussprechen. Die meisten, beinahe alle Richter, orientieren sich nach dem Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahre 1991, worin die oberste richtliche Instanz das gemeinsame Sorgerecht in der Schweiz verboten hat.
Wie wichtig aber eine gemeinsame Elternschaft nach einer Trennung für eine positive Entwicklung des Kindes ist, beweisen folgende 2 Studien:

1. von Prof. Wassilios E. Fthenakis "Kindliche Reaktionen auf Trennung und Scheidung"

" Diese Studie erbrachte, dass Eltern mit gemeinsamen Sorgerecht vergleichsweise weniger von Schwierigkeiten berichten, Zeit zum Spielen mit ihren Kindern zu finden. Mütter mit gemeinsamen Sorgerecht äusserten grössere Achtung gegenüber den elterlichen Fähigkeiten des früheren Partners. Sie beschrieben ihn als stärker unterstützend und als verständnisvoller. Uebereinstimmend geben Eltern in verschiedenen Studien Zufriedenheit dem Arrangement der gemeinsamen Elternverantwortung.
Kinder mit gemeinsamer Sorge der Eltern waren vergleichsweise zufriedener mit der Sorgerechtsregelung als Kinder bei alleiniger elterlicher Sorge. Sie fanden es vorteilhaft, über zwei Wohnsitze zu verfügen, und Belastungen, die die Wechsel mit sich brachten, erschienen ihnen der Mühe wert, weil sie damit Eltern nahe bleiben konnten. Bei den meisten Kindern entstanden weder Unsicherheiten oder Verwirrung über die Endgültigkeit der elterlichen Scheidung".

2. Die zweite Langzeitstudie ist in den Buchhandlungen erhältlich und heisst:

Familie nach der Scheidung von Anneke Napp - Peters Verlag Antje Kunstmann.

"Die 12 -jährige Studie, bei der 150 repräsentative Familien mit 269 Kindern befragt wurden, beweist, dass Kinder auch nach den langen Zeitraum von 12 Jahren Trennungsfolgen kaum überwunden haben. Es sei denn, dass Eltern und Familien ernsthaft daran arbeiten, den Kindern Sicherheit und Liebe beider Eltern zu erhalten. Dann besteht die Möglichkeit, dass Kinder nicht ihr Leben lang unter den emotionalen Schädigungen leiden, sondern sogar lernen, Lebenskrisen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorgehen."

Unsere Kinder, sowie diese beiden Studien fordern uns Eltern heraus an uns zu arbeiten, um konfliktfähiger zu werden, und damit wir uns mit gegenseitiger Toleranz und Respekt die Entwicklung unserer Kinder nicht gefärden.

3. Konfliktlösungsmodelle für das Beibehalten einer getrennten Elternschaft.

Eigentlich müssten Richter, wenn sie das Kindswohl ernst nehmen würden, und Langzeitschäden bei Kindern vermeiden wollten, streitende Eltern an Familientherapeuten oder Mediatoren verweisen, wo sie in eigener Verantwortung mit Hilfe einer Fachperson, eine Lösung für ihren Konflikt erarbeiten. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnissen aus verschiedenen Studien, dass ein Kind die bessere Entwicklungschancen hat, wenn die getrennten Eltern, gemeinsam die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen, müssten die Richter sie für eine Mediation oder für eine Elternfindungstherapie verpflichten. Würde ein Elternteil eine solche Massnahme verweigern, könnte der andere Elternteil vorübergehend das Sorgerecht erhalten, wenn er dazu befähigt ist.
Eine solche Aufgabe könnte zum Beispiel ohne grosse strukturelle Veränderungen der Friedensrichter übernehmen. In vielen europäischen Ländern sind solche Modelle bereits seit Jahrzehnten Realität. (Skandinavischen Ländern, Frankerich,etc) Die meisten Richter, Anwälte und Anwältinnen verfügen über keine psychologische Ausbildung und sind meistens in Konfliktsproblemen in kinderpsychologischen Fragen, und in der Suche nach einer emotional wichtigen Lösung völlig überfordert. Deshalb können sie nur Gewinner-Verlierer-Lösungen mit Mächtigen und Ohnmächtigen anbieten, was wiederum die Grundlage für neue Streitereien, und unschöne Auseinandersetzungen sein kann, was schlussendlich den Kindern schadet. In einem solchen Kontext sind meistens die Kinder, wie wir gesehen haben, die Ohnmächtigen und die Verlierer.

In einer Uebersicht möchte ich die beiden Konfliktlösungsmodelle gegenüberstellen:

2 Konfliktlösungsmodelle

traditioneller juristisch- gerichtlicher Weg neuer mediativer Weg Elternfindung

Gegner!
Die Eltern streiten an den Gerichten mit Hilfe von disqualifizierenden Rechtsschriften weiter. Kamfscheidung!
Gefahr der Eskalation!
Partner
Die Eltern versuchen eigenverantwortlich mit fachspezifischer Hilfe aus der Krise herauszukommen.
Möglichkeit der Verarbeitung!
Vorgehen
gegeneinander nur für mich und gegen dich über die anwaltliche Person argumentieren.
zerstörend!
Vorgehen
miteinander mögliche Lösungen erfinden, planen und Neues schaffen.
Kreativ!
Ziel
Mit allen Mitteln ( auch mit Dreckwäsche und Lügen) gewinnen wollen (Anwälte und Anwältinnen verdienen damit.)
Ziel
Die Eltern von der Paarbeziehung zu trennen, aus dem Konflikt herauskommen, für eine bessere Elternkommunikation, gemeinsam für die Kinder verantwortlich sein.
Folge
  • man schafft Verlierer und Gewinner mit Mächtigen und Ohnmächtigen.
  • fremdbestimmte Lösungen sind unstabil, weil sie emotional nicht getragen werden können.
  • gegenseitiges Misstrauen bleibt. Bereitschaft zur Gewalt ist gross.
  • keine emotionale Trennungsverarbeitung.
  • Verletzungen werden grösser.
  • alleinige elterliche Gewalt!
Folge
  • gemeinsam und eigenverantwortliche erarbeitete Lösungen halten länger und sind stabiler
  • Möglichkeit einer emotionalen Trennungsverarbeitung
  • Vertrauen kann wieder real werden
  • Möglichkeit einer späteren Neubeurteilung
  • Verletzungen können verheilen.
  • Gemeinsame elterliche Sorge
Für die Kinder
  • Kinder sind die Verlierer und Ohnmächtigen, weil über sie verfügt wird und die Elternspannungen bleiben!
  • Loyalitätskonflikte der Kinder sind vorprogrammiert, weil sie sich für einen Elternteil entscheiden müssen, dies emotional aber nicht tragen können.
  • Verlust - Trennungsängste, emotionale Verunsicherungen, Unzufriedenheit oder Aggression können entstehen.
  • Machtspiele oder Machtdemonstrationen werden oft auch nach der Scheidung auf dem Rücken der Kinder ausgetragen (Besuchsrechtsverweigerung)
  • vermehrte Langzeitschäden!
Für die Kinder:
  • Bedürfnisse der Kinder werden in der Lösungsfindung miteinbezogen.
  • Kinder können angstfrei, ungehindert zwischen beiden Elternteilen hin und her.
  • Vorbildcharakter ihrer Eltern.
  • Lernprozess für die Kinder wie kann man Konflikte angehen und verarbeiten?
  • Weniger Langzeitschäden!
finanziell teurer! finanziell günstiger!

Welchen Weg Sie zugunsten Ihrer Kinder wählen wollen oder vielleicht leider auch müssen, liegt in Ihrer Verantwortung. Doch vergessen Sie nie:

"Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Es sind die Söhne und Töchter von des Lebens Verlangen nach sich selber. Sie kommen durch euch, doch nicht von euch; Und sind sie auch bei euch, so gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Leib behausen, doch nicht ihre Seele, denn ihre Seele wohnt im Hause von Morgen, das ihr nicht zu betreten vermöget, selbst nicht in euren Träumen. Ihr dürft euch bestreben, ihnen gleich zu werden, doch suchet nicht, sie euch gleich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es bei Gestern. "

Khalil Gibran (arabischer Schrifsteller)


Literaturliste zum Vortrag v. 20.1.97 von Bernhard Hasler

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Last update: 05.05.2000/VeV