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Tagesanzeiger vom 08. Januar 2010. Interview: Simon Eppenberger Seit einem Monat finden Männer auf der Flucht vor ihren Ehefrauen im Väterhaus Unterschlupf. Leiter Oliver Hunziker sagt, weshalb sichtbare Verletzungen vorteilhaft sind.
Herr Hunziker, Anfang Dezember öffnete das erste Väterhaus der Schweiz in Aarau die Türe. Welche Erfahrungen haben Sie nach einem Monat gemacht? Wir hatten sehr schnell den ersten Gast. Der Mann kam bereits vor Weihnachten. Zudem gab es enorm viele Anfragen, aber keine weiteren Besuche. Weshalb kamen nicht mehr Männer in das Haus? Es ist kein leichter Entscheid, das eigene Zuhause zu verlassen. Betroffene kommen nicht einfach so mal schnell vorbei. Für viele ist es zudem bereits sehr hilfreich zu wissen, dass sie die Option haben, ins Männerhaus zu kommen. Gewalt gegen Männer ist ein Tabu. Wie sieht diese aus? Die meisten Leute sagen bei dem Thema, das hätten sie noch nie gehört. Gleichzeitig reden viele Männer vom Hausdrachen oder der Walküre, die sie zu Hause haben. Sie wissen also, was gemeint ist. Wenn eine Frau immer wieder massiven psychischen Druck ausübt oder tobt, mit Gegenständen wirft oder dreinschlägt, was macht der Mann dann? Sie packen und vor die Türe stellen? Dann ist der Mann der Täter. Und einfach weglaufen liegt auch nicht drin, vor allem wenn Kinder im Spiel sind. Es kommt nicht darauf an, ob Faustschläge wehtun oder nicht. Es nützt auch nichts, wenn der Mann denkt, er könnte die Frau körperlich besiegen. Die Tatsache, dass Gewalt ausgeübt wird, ist das Problem. Was kann ein Betroffener tun? Es kommt auf die Situation an. Leider ist es fast ein Vorteil, wenn Verletzungen zu sehen sind. Dann kann ein Mann den Arzt aufsuchen, der Fotos macht. Mit diesen Beweisen kann er dann zur Polizei gehen und die Frau wegen häuslicher Gewalt anzeigen. Oft ist ein Handeln jedoch nicht einfach. Ohne Beweise wird ein Mann bei der Polizei oft abgewiesen. Und viele Beratungsstellen sagen, sie verstehen das Problem, können jedoch nicht helfen. Im Väterhaus findet er mit den Kindern zwischenzeitlich Unterschlupf. Der Zwischenhalt ermöglicht das Planen weiterer Schrite. Wenn die Not gross ist, kann ein Mann auch den Koffer packen und an der Tür klingeln? In akuten Lagen genügt ein Anruf. Wenn ein Mann mit Kindern zu uns will, muss jedoch zuerst kurz abgeklärt werden, ob er sorgeberechtigt ist. Sonst stehen wir im Regen. Wichtig ist auch, dass der Betroffene psychisch einigermassen stabil ist. Wir sind keine Klinik. Wie war die Situation über die Festtage? Wir hatten spürbar mehr Anfragen. In dieser schwierigen Zeit meldeten sich Dutzende Männer. Oft half dabei auch ein Gespräch. Es ist die kürzeste Form eines Zwischenhalts. Teilweise kam es auch zu persönlichen Gesprächen. Das Männerhaus steht in Aarau. Ist ein solches Haus auch in Zürich denkbar? Das ist sicher denkbar. Zürich ist zwar die grösste, aber eben auch die teuerste Stadt. Deshalb sind wir bei der Planung aus Kostengründen wieder davon abgekommen. Zudem liegt Aarau zentraler in der Deutschschweiz und ist von Bern wie Zürich aus gut erreichbar. Derzeit ist die Finanzierung des Männerhauses für ein Jahr gesichert. Wie geht es danach weiter? Es gibt noch kein Szenario. Wir sind auf Spenden angewiesen. Gleichzeitig laufen Abklärungen mit Bund und Kanton über eine öffentliche Finanzierung. Doch bis von der öffentlichen Hand ein Leistungsauftrag erteilt wird, ist es ein langer Weg. |